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Sieben Dinge, die Investoren im September im Blick haben sollten

Marktkommentar | 04 September 2018 | Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist

 
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Kristina Hooper

Chief Global Market Strategist

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  • Ich rechne damit, dass sich die Handelskonflikte noch weiter zuspitzen werden, bevor sich die Lage wieder entspannt. Für die Wirtschaft und die Märkte kann das unterschiedliche Folgen haben.
  • Die Risikoprämien auf italienische Staatsanleihen dürften im September steigen.
  • Die Krisen in der Türkei und Argentinien könnten dazu führen, dass die Schwellenmärkte insgesamt unter Druck kommen.

Das bedeutendste der potenziell marktbewegenden Themen dieses Monats ist ganz klar der Handel, nachdem die USA gedroht haben, dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) den Todesstoß zu versetzen und der Welthandelsorganisation (WTO) den Rücken zu kehren. Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs. Die folgenden sieben Dinge sollten Investoren im September im Blick haben:

1. Die Handelskonflikte könnten sich noch weiter zuspitzen

Die Gespräche über eine Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA sind vorerst geplatzt. Nachdem Kanada das von den USA für letzten Freitag festgesetzte Ultimatum für einen Beitritt zum neuen US-Abkommen mit Mexiko verstreichen ließ, drohte US-Präsident Donald Trump Kanada mit dem Ende von NAFTA, für den Fall, dass sich das Land dem mit Mexiko ausgehandelten Pakt nicht anschließt.

Die gute Nachricht ist, dass die Anleger das Gesetz in diesem Fall auf ihrer Seite haben. Nach US-amerikanischem Recht muss der Präsident nach Unterrichtung des Kongresses über ein neues Handelsgesetz 90 Tage abwarten, bevor er ein entsprechendes Abkommen unterzeichnen kann. Trump war an einer vorläufigen Einigung bis zum 31. August gelegen, damit die 90-Tage-Frist noch vor der Amtseinführung des neuen mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador am 1. Dezember enden würde. Trump hat den Kongress letzten Freitag darüber unterrichtet, dass er in 90 Tagen ein bilaterales Abkommen mit Mexiko unterzeichnen will — dem Kanada beitreten kann, wenn es dies wünscht. Unabhängig davon treibt Trump sein Vorhaben weiter voran. Bis Ende September muss seine Regierung den Kongress über die Details des geplanten Abkommens informieren.

Ich glaube, dass ein rein bilaterales Abkommen mit Mexiko aus Sicht der USA ein Fehler wäre, da Kanada ein wichtiger Handelspartner der USA ist. (Wie die US-amerikanische Handelskammer hervorgehoben hat, sind 99,9% der US-Exporte nach Kanada unter dem bestehenden NAFTA-Abkommen zollfrei.1). NAFTA hat funktioniert, könnte aber natürlich – wie praktisch alles – verbessert, modernisiert und an das 21. Jahrhundert angepasst werden. Meines Erachtens sollten Staaten im Globalisierungszeitalter bilaterale Abkommen vermeiden und stattdessen multilaterale Vereinbarungen anstreben. Handelsbündnisse, denen mehrere Partner angehören, sind nicht nur effizienter, sondern stärken das globale Wachstum gewöhnlich auch mehr als Deals zwischen einzelnen Staaten. Positiv betrachtet gibt es einige Faktoren, die ein bilaterales Abkommen zwischen den USA und Mexiko nur schwer realisierbar machen. NAFTA war ein trilaterales Bündnis, das erst nach Zustimmung des Senats verabschiedet werden konnte. Für die Verabschiedung einer überarbeiteten Version dieses Abkommens bräuchte die US-Regierung nur 51 Stimmen. Ein neuer bilateraler Deal dagegen könnte möglicherweise nur mit 60 Stimmen im Senat ratifiziert werden. Damit ist der Schritt von der „grundsätzlichen Einigung“ zwischen den USA und Mexiko zu einem unterzeichneten, besiegelten und umgesetzten Handelsabkommen noch ein sehr großer.

Aber das ist nicht alles. Trump hat auch mit dem Austritt aus der WTO gedroht, einer Organisation, die so etwas wie die Vereinten Nationen für den Handel ist — ein teures Instrument, in das die USA seit vielen Jahren investiert haben, um noch teurere Probleme zu verhindern. So warnte auch das Cato Institute in seiner Policy Analysis Nr. 841 aus dem Mai: „Wenn es der WTO nicht mehr gelingt, den Rahmen für einen geregelten Welthandel zu stellen, würde das zu einer gefährlichen Häufung wirtschaftlicher Störereignisse und Konfrontationen führen, da in diesem Fall immer mehr Länder dem Beispiel der USA folgen und wieder in unterschiedlichste Formen selbstzerstörerischer Handelsbeschränkungen und Handelsdiskriminierungen verfallen würden.“2

Gleichzeitig hat sich der Handelskonflikt mit China weiter verschärft – bereits diesen Donnerstag wollen die USA weitere chinesische Güter im Wert von 200 Milliarden US-Dollar mit Zöllen belegen. Ich rechne damit, dass sich die Handelskonflikte noch weiter zuspitzen werden, bevor sich die Lage wieder entspannt. Wie ich in früheren Blogs bereits angemerkt habe, kann das unterschiedliche Folgen für Wirtschaft und Märkte haben.

2. Italien sucht den Ausgleich zwischen nationalen Notwendigkeiten und Forderungen der EU

Die italienische Regierung hat in der letzten Woche einen Haushaltsentwurf angekündigt, der „die Anleger beruhigen“ werde. Nach der aggressiveren Rhetorik der letzten Wochen sorgten die Worte des stellvertretenden Finanzministers Italiens tatsächlich für eine gewisse Entspannung am Markt und italienische Staatsanleihen legten zu. Allerdings sehe ich noch nicht, wie Italien seine nationalen Notwendigkeiten und Interessen mit der von der Europäischen Union (EU) geforderten Haushaltsdisziplin vereinbaren will. Daher dürften die Risikoprämien auf italienische Staatsanleihen im September wieder steigen.

3. Schwellenländer unter Druck

Angeführt von der Türkei und Argentinien stehen mehrere besonders krisenanfällige Schwellenländer zunehmend unter Druck. Dazu gehört Indonesien, nachdem die Rupiah auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen ist.3 Die türkische Zentralbank scheint sich auf Zinserhöhungen vorzubereiten. In Argentinien konnten höher Zinsen die Abwertung der Währung allerdings nicht stoppen. Eine Straffung der Geldpolitik ist kein Allheilmittel. Daher kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass sie in der derzeitigen Situation für Entspannung sorgen wird. Kurzfristig dürfte die Lage dieser Schwellenländer noch prekärer werden, zumal erwartet wird, dass die US-amerikanische Notenbank (Fed) die Zinsen Ende dieses Monats anheben wird, was den Druck auf die Schwellenländer insgesamt nochmals erhöhen könnte. Allerdings dürften schon bald die Schnäppchenjäger unterwegs sein, da eine undifferenzierte Abstrafung aller Schwellenmärkte zu erheblichen Fehlbewertungen führen könnte.

4. Tech-Regulierung zeichnet sich ab

Trump hat auch den Technologiesektor ins Visier genommen und droht, Unternehmen wie Google stärker zu regulieren. Die Ironie an diesen Drohungen ist, dass die Trump-Regierung Wirtschaftswachstum und Geschäftsvertrauen gerade durch eine Welle von Deregulierungsmaßnahmen gestärkt hat. Wenn Trump jetzt droht, Tech-Unternehmen in ein Regulierungskorsett zu zwängen, könnte das genau das Gegenteil bewirken. Möglicherweise handelt es sich bei diesen Drohungen nur Wahlkampfrhetorik im Vorfeld der in Kürze anstehenden „Midterm“-Wahlen4 in den USA. In jedem Fall werden wir die diesbezüglichen Entwicklungen aber genau im Auge behalten, da der Tech-Sektor für den Bullenmarkt (steigende Märkte) der letzten Jahre von großer Bedeutung war.

5. Großbritannien taumelt auf Brexit-Deadline zu

Für die britischen Bemühungen um ein Brexit-Abkommen wird der September ein kritischer Monat sein. Das britische Pfund steht unter Druck. Daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern. Die durch das Brexit-Votum und die schlechte Verhandlungsführung der britischen Regierung verursachten wirtschaftspolitischen Unsicherheiten schlagen sich inzwischen auch in den Konjunkturdaten nieder. So ist der Einkaufsmanagerindex für das britische verarbeitende Gewerbe zuletzt auf den tiefsten Stand seit 25 Monaten gesunken.5

6. Werden Investoren risikoscheuer?

Anstatt Risikoanlagen komplett den Rücken zu kehren, haben die Investoren im weniger „risikoaversen“ als „risikobewussten“ Marktumfeld der letzten Zeit vermehrt in US-amerikanische Anlagewerte wie US-Aktien investiert, die als sicherer gelten als Anlagen in anderen Märkten. Ich denke, dass das Marktumfeld im September weitgehend unverändert bleiben wird, so dass US-Anlagewerte auch in diesem Monat erneut gefragter sein dürften als Anlagen in anderen Märkten. Wir werden dies jedoch genau beobachten müssen. Die Investoren können jederzeit von „risikobewusst“ auf „risikoavers“ umschalten, was zu einer allgemeinen Flucht aus Risikoanlagen führen könnte.

7. US-Dollar-Stärke könnte andauern

Die Wachstumserwartungen, die unterschiedliche geldpolitische Ausrichtung der globalen Notenbanken und die andauernden Handelskonflikte dürften den US-Dollar im September weiter stärken. An diesem Freitag steht die Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten für August an und ich rechne mit sehr guten Zahlen. Allerdings halte ich es inzwischen für weniger wahrscheinlich, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr noch ein viertes Mal anheben wird, da die Handelskonflikte und die Straffung der Geldpolitik allmählich auch ihre Spuren in der Wirtschaft hinterlassen dürften. Außerdem könnte sich die Fed Sorgen über den Druck machen, den sie mit ihrer Politik auf die Schwellenmärkte ausübt. Und weil Erwartungen an die Geldpolitik der Fed gewöhnlich sehr starken Einfluss auf den Dollar haben, glaube ich nicht, dass sich die US-Währung bis zum Jahresende auf dem aktuell hohen Niveau halten wird.

Quellen

1 Quelle: US Chamber of Commerce, „Trade Rumors (NAFTA Edition)“, 31. Juli 2018

2 Quelle: CATO Institute, „Policy Analysis No. 841: Was Buenos Aires the Beginning of the End or the End of the Beginning? The Future of the World Trade Organization,” James Bacchus, 8. Mai 2018

3 Quelle: Bloomberg L.P., Gulf News, 3. Sept. 2018

4 Midterm-Wahlen (midterm elections) sind Zwischenwahlen, die in den USA in der Mitte der 4-jährigen Amtszeit des Präsidenten stattfinden.

5 Quelle: IHS Markit

Der UK Manufacturing PMI (Purchasing Managers’ Index - Einkaufsmanagerindex) wird von IHS Markit produziert und gilt als Indikator der Geschäftslage im verarbeitenden Gewerbe. Er basiert auf einer Befragung von Einkaufsmanagern in Unternehmen.

 

Risikohinweis

Der Wert von Anteilen kann schwanken. Dies kann teilweise auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sein. Es ist möglich, dass Anleger bei der Rückgabe ihrer Anteile weniger als den ursprünglich angelegten Betrag zurückerhalten.

Wichtige Informationen

Daten vom 4. September 2018, sofern nicht anders angegeben. Die in diesem Material dargestellten Prognosen und Marktaussichten sind subjektive Einschätzungen und Annahmen des Fondsmanagements oder deren Vertreter. Diese können sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung ändern. Diese Publikation ist nicht Bestandteil eines Verkaufsprospektes. Sie enthält lediglich allgemeine Informationen und berücksichtigt keine individuellen Erwartungen, steuerliche oder finanzielle Interessen.